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50 Jahre

Amperverband

Puzzlesteine des Erfolgs

vor 1960…

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-Die Geschichte der „gemeindlichen Verdauung“-

In unseren Haushalten arbeiten wir mit Duftsteinen und vierlagigem Toilettenpapier. Ist die Spülung erst betätigt, muss man sich um den Rest nicht kümmern. Wer heute aufwächst, kennt es gar nicht anders. Aber war das schon immer so?

Die Entsorgung der „Verdauungsprodukte“ war besonders in den Städten alles andere als angenehm – es war ein Problem. Liest man die ersten Seiten des Romans „Das Parfüm“ von Patrick Süskind, erfährt man schnell über die damaligen Zustände. In den Großstädten wurden Exkremente Nacht für Nacht in die Rinnsteine geworfen, sodass am nächsten Tag „Massen ausgetrockneten Kots“ und „stinkender Dunst“ Auge und Nase begrüßten. Anfang August 1836 wurden Cholerafälle im bayerisch-österreichischen Grenzort Mittenwald gemeldet, kurz darauf in München. In Deutschland vermutete man bereits, dass die Verbreitung der Cholera etwas mit der Trinkwasserqualität zu tun haben musste. Es war noch ein städtisches Problem.

Auf dem Land verschwanden die Ausscheidungsprodukte auf Feldern oder in Erdlöchern.

Doch auch hier stieg ab dem 20. Jahrhundert kontinuierlich die Besiedlung. Die Gemeinden wuchsen und mit ihnen die Abwasserproblematik – „Bürgermeisterkanäle“ entstanden. Mit dem beginnenden Ausbau des Straßennetzes in den 50-iger Jahren stiegen die Ansprüche der Bürger an die sanitäre Ausstattung und die Abwasserbeseitigung ihrer Wohnungen und Grundstücke nachhaltig. Man begann auf den Grundstücken Anlagen zur Behandlung der anfallenden Abwässer (Versitzgruben) zu errichten. War zudem ein Oberflächengewässer vorhanden oder die Möglichkeit gegeben, die Einleitung in den Untergrund (Versickerung) vor zunehmen, war das Problem scheinbar gelöst. Bestand diese Möglichkeit nicht, führte aber in Grundstücksnähe ein Randgraben zur Straßenentwässerung vorbei, so leitete man sein Abwasser dorthin. Dies geschah lange Zeit lediglich auf der Basis mündlicher Absprachen. Mit der Zeit veränderte sich das so eingeleitete Abwasser und war keinesfalls nur häuslicher Herkunft, auch Einleitungen aus Industrie und Gewerbe nutzten vermehrt diesen Weg der Entsorgung. Geruch und Ansehnlichkeit wurden dadurch immer unangenehmer, weshalb man die Randgräben kurzerhand verrohrte und der historischen Bezeichnung „Bürgermeisterkanal“ Leben schenkte.

So auch Geschehen in unserem Verbandsgebiet.

Nach 1945 wuchs die Bevölkerung durch die Aufnahme von Heimatvertriebenen und Flüchtlingen. Die Folge waren erste soziale Wohnungsbauprojekte. Das rapide Wachstum setzte sich in den 60er Jahren – nicht zuletzt durch die Ausweisung neuer Baugebiete – fort. Der Bevölkerungsschwerpunkt verlagerte sich aus dem Dorfkern in die aufstrebenden Dorfsiedlungen.

Und was passierte mit dem gemeindlichen Verdauungsproblem…………?

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1960 - 1970

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-Weitblick kommunaler Zusammenarbeit-

Manchmal bedarf es eines Anstoßes, um wirklich Großes zu bewirken. Der Anstoß kam durch ein neues Wasserhaushaltsgesetz mit vorher nie gekannten, einschneidenden wasserrechtlichen Bestimmungen, die alle Bautätigkeiten in den prosperierenden Gemeinden stoppten. Die Tatsache, dass alle bisher geduldeten Entsorgungswege zu einer allmählichen Vergiftung des lebensnotwendigen Grundwassers führten, nährte die Erkenntnis, dass ohne Kanalisation jeglicher Gemeindeentfaltung ein Riegel vorgeschoben war. So entschlossen sich die damaligen Gemeinden Germering, Eichenau, Esting, Gröbenzell, Olching, Puchheim und Unterpfaffenhofen zum Bau der notwendigen Kanalisation und einer gemeinsamen Entwässerungsanlage. An deren Spitze stand, mit der Bürde aller Verantwortung betraut der agile Bürgermeister der Gemeinde Germering und somit der 1. Verbandsvorsitzende Josef Kistler. Ihm zur Seite stellte man den nicht weniger aktiven Franz Kastenmüller, 1. Bürgermeister aus Gröbenzell. So einfach sich die Entstehung liest, der Weg erforderte doch viel Überzeugungskraft. „Eichenau kauft nicht die Katze im Sack“, titelte am 30. Juli 1960 die Zeitung „Brucker Nachrichten“. Der Gemeinderat hatte Vorbehalte gegenüber dem Abwasserzweckverband. Dennoch trat man letztendlich bei, mit dem „Freischein“ jederzeit wieder aus dem Verband ausscheiden zu können! Bis zur Inbetriebnahme der Kläranlage folgten rund 80 Sitzungen des Verbandsausschusses, um alle Interessen und Anliegen der Gemeinden zu vereinen. Dabei wuchs der Verband mit Alling, Maisach, Argelsried, Geiselbullach, Gilching, Oberpfaffenhofen und Weßling nach und nach auf 14 Mitgliedsgemeinden.

Wie schwer der Weg war - und fast zu scheitern drohte - zeigte sich bei der Finanzierung des Mammutprojekts. 100 Millionen DM mussten für Verbands-, Orts-, Nebensammler, Ortskanäle und Kläranlage geschultert werden. Der junge Verband konnte und wollte diese schier unzumutbare Kostenbelastung nicht alleine den Verbandsbürgern überlassen. Ein Staatszuschuss von 35 % erschien zu gering. Man verlor kurzfristig sogar den Mut, die bereits vorgenommene Ausschreibung umzusetzen und wollte wegen der bestehenden Belastungen der Gemeinden das Vorhaben zurückstellen. In einem ausführlich begründeten Schreiben bat man daher um Aufstockung des Zuschusses. Das Schreiben endete mit folgendem Satz: „Die unabsehbaren Folgen, die aus der Zurückstellung des Kanalprojektes für alle Mitgliedsgemeinden entstehen werden, sind in der Verbandsversammlung vor Augen geführt und in Kauf genommen worden.“ Daraufhin dauerte es nicht lange, bis mit Unterstützung des damaligen Landtagspräsidenten Hanauer und des Olchinger Bürgermeisters Mathias Duschl höhere Zuschüsse zugesagt wurden.

Da man sich entschieden hatte, Bauplanung und Betrieb nebst dem anstehenden Aufbau einer leistungsfähigen Verwaltung in eigener Regie zu bewerkstelligen, stieg der Personalbedarf. Die bisherigen Arbeitsräume in Gröbenzell reichten nicht mehr aus, weshalb auf ein Schreiben des Eichenauer Bürgermeister Kraus: „Man solle die Büros des Verbandes in Eichenau erstellen, da die Gemeinde noch Platz habe und Eichenau in der Mitte des ganzen Projektes liege“, 1967 eben dort mit dem Bau des Verwaltungsgebäudes begonnen wurde.

Nach dem Spatenstich der Kläranlage 1965 berichtete die Zeitung „Brucker Nachrichten“ schon 1967 von den eigenartigen Methoden des Zweckverbandes mit der Überschrift „Aus der Trickkiste der Kläranlage“. Man rümpfte die Nase, da der Wanderer zwischen Gestank und anmutiger Auenlandschaft auf ein Loch traf, indem nicht völlig ausgefaulter Klärschlamm abgelagert wurde. Aber so war es in den Anfängen bei dem Betrieb einer „provisorischen Kläranlage“. Am 17. Mai 1968 fand schließlich die offizielle Einweihung statt. Landtagspräsident Rudolf Hanauer beglückwünschte den Abwasserverband und hob besonders den Gemeinschaftssinn der beteiligten 14 Gemeinden hervor. Die gewaltige bauliche Entwicklung wäre nicht denkbar gewesen ohne den Weitblick der Gemeinderäte und Bürgermeister, die entgegen allen Widerständen diesen Zweckverband ins Leben gerufen und die Verwirklichung dieses Zieles vorangetrieben hätten.

 

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1970 - 1980

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-Stabilität und Wachstum-

1972 endete die Amtszeit der anerkannten Gründungsväter. Bei der Neuwahl wurde, wie nicht anders zu erwarten mit großer Mehrheit Josef Kistler zum Verbandsvorsitzenden wiedergewählt. Als Stellvertreter bestimmte man den jungen damaligen Bürgermeister von Unterpfaffenhofen und heutigen Ehrenvorsitzenden Rudolf Bay.

Es zeigte sich schnell, dass die bisherige erfolgreiche Arbeit auch mit der neuen Führungsspitze beibehalten wurde. AVA war nicht nur ein Firmenkürzel es war Synonym für neuartige Technologien. So fand auf der Kläranlage Geiselbullach als Weltneuheit beispielsweise die Klärschlammbestrahlungsanlage ihren Ursprung. Mit den Strahlenquellen Kobalt 60 und später auch Caesium 137 rückte man dem Klärschlamm zu Leibe, um einen qualitativ hochwertigen und insbesondere seuchenhygienisch unbedenklichen Klärschlamm zu produzieren. Mit dieser Anlage übertraf man die kühnsten Erwartungen der Optimisten und erreichte in Kreisen der Abwassertechnik internationales Ansehen. Aufgeklärte Landwirte betrachteten den entseuchten Klärschlamm als wertvollen Dünger und idealen Bodenverbesserer. Gefördert wurde die Anlage im Rahmen eines Forschungsauftrages der Bundesregierung. Bis zu ihrer Auflassung 1994 lief die Bestrahlung ohne jemals auch nur einen Störfall verursacht zu haben! Als interessanter Nebeneffekt konnte nicht nur Klärschlamm, sondern unter anderem auch günstiger Cognac eine erfolgreiche qualitative Aufwertung erfahren (Radioaktive Bestrahlung beschleunigt künstlich die Alterung von Cognac).

Bei allen technischen Erfolgen, die in dieser Zeit erreicht wurden, drückte den Verband ein Schuldenberg. Dazu kam eine wirtschaftlich allgemein schwierige Entwicklung, die die Preise nach oben schraubte. Das Resumee war, dass die laufenden Einnahmen nicht zur Deckung der Ausgaben ausreichten. Einer Gebühren- und Beitragserhöhung von bis zu 40 % wurde schweren Herzens zugestimmt.

Viel zu früh und völlig unerwartet verstarb am 10. März 1974 der Verbandsvorsitzende Josef Kistler. Als Mann der ersten Stunde, ohne dessen Initiative es keinen AVA gegeben hätte, war er Garant für die bis dahin außergewöhnlichen Leistungen, wovon der AVA noch Jahrzehnte später profitierte. Als Nachfolger wurde am 18. Juli 1974 Rudolf Bay gewählt, der den Verband aufgrund seiner vormaligen Tätigkeiten als Kämmerer sowie seiner Stellung als Verbandsrat und stellvertretender Vorsitzender wie kein anderer kannte. Sein Stellvertreter wurde der Gröbenzeller Bürgermeister Dr. Eicke Götz. Unter der Überschrift „Mehr Teamwork beim Abwasserverband“, berichtete die Zeitung „Brucker Nachrichten“ von der ersten Amtshandlung Bays. Auf seinen Vorschlag hin wurde die Führungsspitze mit dem Ziel, die Interessen der angeschlossenen Gemeinden aus dem Landkreis Starnberg besser berücksichtigen zu können, um einen weiteren Stellvertreter ergänzt. Diesen Posten und gleichzeitig eine verbandssatzungsrechtliche Neuheit bekleidete der Weßlinger Bürgermeister Martin Schneider.

Kaum waren Kräne und Bagger auf der Kläranlage abgezogen, gaben die Fachaufsichtsbehörden grünes Licht für den weiteren Ausbau der Anlage auf 250.000 Einwohnergleichwerte. Dieser zwar langfristig vorgesehene aber zu diesem Zeitpunkt nicht erwartete Ausbau war erforderlich geworden, da im Zeitraum von 1967 bis 1974 entgegen früheren Prognosen die Einwohnerzahlen um 60 % stiegen. Gleichzeitig sah es der Verband aus Wirtschaftlichkeitsüberlegungen als notwendig an, auch Nichtmitgliedsgemeinden einen Anschluss an die Kläranlage zu ermöglichen. Die Bauarbeiten für die zweite Ausbaustufe begannen im März 1976. Wie schon beim 1. Bauabschnitt gelang die Planung, Bauoberleitung einschließlich Abrechnung in eigener Regie durch den Verband unter Federführung des technischen Leiters Dr. Dipl.-Ing. Timm Lessel. Der „Amper eine Chance geben“ – so lautete der Titel einer 28seitigen technischen Dokumentation, die im Rahmen der Inbetriebnahme der Kläranlage im Mai 1978 vom AVA veröffentlicht wurde.

Im Rahmen der Gemeindegebietsreform 1978 wurde der räumliche Wirkungsbereich der Mitgliedsgemeinden Alling und Maisach erweitert. Daraufhin fasste die Verbandsversammlung 1979 den Beschluss, im Hinblick auf die Gleichbehandlung aller Verbandsbürger, auch diese Gebiete in das Verbandsgebiet einzugliedern. Damit verbunden war die Übernahme der selbstständigen Entwässerungsanlagen in Biburg und Germerswang, mit denen sich der Verband in den nächsten Jahren mehrmals beschäftigen musste.

 

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1980 - 1990

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-Einsatz neuer Techniken-

„Umwelt hat Geschichte" war das deutschlandweite Motto in diesem Jahrzehnt. Damit wurde die Öffentlichkeit erstmals umfassend auf die historischen Dimensionen des Umweltproblems aufmerksam gemacht. Man zeigte Verständnis für Investitionen in den Umweltbereich und begann, sich auf Kläranlagen eingehend umzuschauen.

Der Verband nutzte diese Zeit, um richtungsweisend die Bereiche Abwasserreinigung und Kanalreinigung/Inspektion mit innovativen Techniken auszurüsten. Dies nicht zuletzt, da die Gesetzgebung zum Schutz bzw. zur Verbesserung der Gewässergüte Mindestanforderungen für das Einleiten von Abwasser einführte. Von nun an hatte so mancher sein Problem, wenn er fließend Nitrifikation und Denitrifikation aussprechen sollte bzw. zu erklären versuchte, was sich dahinter verbarg.

Gemeint war der notwendige Ausbau der Kläranlage zur weitergehenden Stickstoffentfernung. Die letztendlich eingesetzte Technik stammte aus Japan. Wissend ob der Tragweite ihrer Entscheidung besuchte der gesamte Verbandsausschuss unter Leitung des Vorsitzenden Rudi Bay vorab in Japan die Referenzanlagen. Mit Unterstützung der Umweltbehörde wagte der Ausschuss letztlich den mutigen Schritt und setzte in Geiselbullach die europaweit erste Anlage mit Festbettkörper-Material, genannt „Ring-Lace“, ein. 17 Millionen DM umfasste das Projekt, welches 1988 den Betrieb aufnahm. Gekoppelt war es mit dem weiteren Ausbau der seit 1980 schrittweise eingeführten Prozessautomation auf Kläranlagen. Was man damals nur hoffte, aber nicht wissen konnte: Diese innovativen und richtungsweisenden Entscheidungen bestätigten und bewährten sich in den folgenden Jahrzehnten.

Schon Anfang der Achtziger setzte der Verband ein Spülfahrzeug zur Kanalreinigung ein. Vergessen waren die Zeiten, in dem man die angeschwemmten Feststoffe mittels Kelle aus dem Kanal fischte. Mit der Notwendigkeit eines weiteren Fahrzeuges ging der Verband aber auch in diesem Bereich neue Wege. „Wasserrückgewinnung“ war das Zauberwort, um gutes, wertvolles Trinkwasser, welches zur Kanalspülung bis dahin eingesetzt wurde, zu sparen. Nun reinigte das Fahrzeug das aufgenommene Abwasser direkt und konnte es wieder zur Spülung einsetzen. Eine weitere Pionierleistung des Verbandes. Er war der erste kommunale Betrieb, der diesen heute üblichen Standard einsetzte.

„Wie bei James Bond“ bezeichneten jugendliche Besucher unsere Kameratechnik, die bei der Kanalüberwachung eingesetzt wird. Ihr Ursprung fand sich ebenfalls zu Beginn dieses Jahrzehnts. Schon 1980 flimmerten die Kanäle in Farbe und die Aufnahmen konnten mittels eines PCs gespeichert und bei Bedarf Bildweise ausgedruckt werden.

Immer modernere Technik verlangte aber auch eine angepasste Ausbildung. 1984 entstand das Berufsbild des Ver- und Entsorgers in der Umwelttechnik. Im gleichen Jahr begrüßte Rudolf Bay Frau Birgit Baumann und Herrn Andreas Otto als erste Auszubildende beim Abwasserverband. Beide legten ihre Gesellenprüfung erfolgreich ab und blieben dem Verband lange Zeit treu. Bis zum heutigen Tag erhielten so neunzehn junge Menschen eine Ausbildung mit Zukunftsperspektiven und auch weiterhin bietet der Verband jungen Menschen interessante Ausbildungsplätze an.

Der Verband entwickelte sich kontinuierlich weiter. Schreibmaschinen weichten PCs und das Verbandsgebäude stieß an die Kapazitätsgrenze. Als Konsequenz erhielten die Techniker des Kanalbetriebs auf der Kläranlage ein neues Zuhause mit entsprechendem Gebäude und großräumigen Unterstellhallen für ihr gesamtes Equipment.

Die Teichanlage in Germerswang erfuhr mit einem naturnahen Abwasserreinigungsverfahren als Forschungs- und Pilotanlage mit weltweitem Interesse eine Renaissance. Pflanzen, genauer gesagt Schilf, übernahmen ab sofort die kostengünstige und einfache Reinigung des Abwassers. Bis zum Anschluss an die Kläranlage Geiselbullach 1997 lieferte sie außerhalb der kalten Jahrszeit hervorragende Reinigungswerte.

So verstrich ein Jahrzehnt technischen Wandels beim Abwasserverband. Ein Musterhaushalt mit vier Personen und einem Wasserverbrauch von 150 Liter/Einwohner und Tag bezahlte in diesem Jahrzehnt jährlich rund 270 DM an Abwassergebühr.

 

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1990 - 2000

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-Die Konstanz-

Zu Beginn der 90er Jahre stiegen die Abwasserpreise in der Bundesrepublik Deutschland durchschnittlich um 60 Prozent. Beim AVA las man dagegen die Schlagzeile „Abwasser wird billiger!“, und das bei all den Anstrengungen seit Beginn. Diese gesunde Finanzpolitik verdankte der AVA seinem Verbandsvorsitzenden Rudolf Bay. Seine Tätigkeit endete nach 17 Jahren am 7. Mai 1990 und seine Nachfolge übernahm Germerings Bürgermeister Dr. Peter Braun. Rudolf Bays stärke lag in seiner freundlichen Art immer einen Konsens unter den politischen Mitverantwortlichen herbeizuführen und die Sache „Gewässerschutz“ zur Grundlage aller Entscheidungen zu machen. Als Anerkennung ernannte ihn der AVA zum Ehrenvorsitzenden.

Die Begriffe „Klärschlamm“ und „Rationalisierungspotenzial“ entwickelten sich zu den Unwörtern dieser Dekade. „Anrüchige Praxis wird erneut diskutiert“ titelte die Süddeutsche. Gemeint war damit die Kooperation des AVA mit den Landwirten als Partner zur Entsorgung von Klärschlamm. Doch auch diese Zusammenarbeit konnte den Weg des Klärschlamms in die Verbrennung nur verlangsamen. Der Ausschuss entschloss sich frühzeitig zum Bau einer Klärschlammentwässerungsanlage und setzte in den folgenden Jahren die neue Umweltpolitik um. Er beendete die über Jahrzehnte mit Erfolg praktizierte landwirtschaftliche Klärschlammverwertung und schloss als erstes Unternehmen in Bayern einen Vertrag zur Mitverbrennung von Klärschlamm in Kohlekraftwerken.

Die fortwährende Weiterentwicklung nahm wie gewohnt ihren Lauf. Im April 1992 verließen alle Akten das alte Verbandsgebäude und fanden über Nacht im hochmodernen Verwaltungsgebäude in der Bahnhofstraße in Eichenau, ein neues Zuhause. Die 1990 aufgestellten Kräne auf der Kläranlage verschwanden erst 1996 und hinterließen neben dem Entwässerungsgebäude, eine dritte weitergehende Reinigungsstufe (die Schwerkraftfilter), eine Trafostation, einen neuen Garagenkomplex, einen Gasbehälter auf dem Stand der Technik sowie ein Nachklärbecken mit einer noch nie da gewesenen Speicherkapazität.

Trotz all dieser Erneuerungen vergaß man nicht, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiter zuentwickeln. Eine Corporate Identity Broschüre - "Unser Leitbild" - zeigte die Verbandsphilosophie und Richtlinien des Handelns auf. Ein Prämiensystem für innovative Ideen der Mitarbeiter wurde ins Leben gerufen, ein Qualitäts- und Umweltmanagement nach ISO-Norm für den Bereich Kanalbetrieb bis zur Ziellinie - der Zertifizierung – von den Kollegen erarbeitet. Im Mai 1996 traf man sich zur ersten Redaktionssitzung unserer hauseigenen Zeitung die „AVAktiv – von uns und für uns“, die bis zum heutigen Tag quartalsmäßig über Aktuelles im Verband berichtet. Motivator dieser modernen Denkweise in einem öffentlichen Unternehmen war der damalige Geschäfts- und Technische Leiter Dr. Timm Lessel. Auch wenn vieles anfänglich oft aus Unwissenheit heraus kritisch betrachtet, sogar belächelt wurde – heute findet man fast alles auch in anderen Unternehmen.

Das Thema und zugleich ein Mammutprojekt gegen Ende des 20. Jahrhunderts war die Debatte über die Zusammenlegung zweier eigenständiger Zweckverbände dem Abwasserverband einerseits und dem Wasserzweckverband andererseits. Der Anstoß gab der damalige Verbandsvorsitzende des WVA und Bürgermeister der Gemeinde Eichenau, Sebastian Niedermeier. In seinem Schreiben vom 25. September 1997 schlug er vor, ein gemeinsames Gutachten zu erstellen, das eine gemeinsame Betriebsführung und Fusion untersuchen und betriebswirtschaftlich bewerten sollte. Von da an beschäftigte sich der Ausschuss fast in jeder Sitzung mit diesem Thema. Rationalisierung, Fusion, Synergien - es ging hin und her. Bedenken und Emotionen mussten beseitigt werden und bei aller wirtschaftlichen Diskussion galt es das Personal nicht hintanstehen zu lassen. Selbst als sich im August 1999 die Sonne verfinsterte – die Ausschussmitglieder behielten den Überblick. Rechtzeitig zum Ende des Jahrtausend konnten dann die Weichen zur Betriebsführung des WVA durch den mit der Vertragsunterzeichnung am 30. 11. 1999 gestellt werden, was für alle Beteiligten einen Aufbruch in ein neues Zeitalter bedeutete.

 

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2000 – 2010

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-Partnerschaft-

Während das von der Computerindustrie skizzierte Schreckgespenst des globalen Computer-absturzes nach dem Jahrtausendwechsel ausblieb, beschlich die Beschäftigten beider Ver-bände ein gewisses Unbehagen gepaart mit Neugier auf die neue Konstellation. Viel Zeit zum Grübeln blieb allerdings nicht, um die Umorganisation neben dem Tagesgeschäft zu bewerk-stelligen. Bereits Mitte 2000 waren die WVA- und AVA´ler in Eichenau unter einem Dach ver-eint. Die Tatsache, dass Kunden nun die Analyse vom Trinkwasser beim Abwasserverband anfordern mussten, passte irgendwie nicht. So entschied sich der Verband für einen neutrale-ren Namen und änderte ihn von Abwasserverband Ampergruppe (AVA) in Amperverband (AV). Seit dem 1. Januar 2001 gilt dieser offiziell und war Auslöser eines jahrelangen Kamp-fes – denn noch heute ist das Kürzel AVA in aller Munde. „Amperverband“ passte dann auch besser zu den neuen Geschäftsfeldern des AV, Beteiligungen an überregionalen kommunalen Servicegesellschaften „aquaKomm GmbH“ und „ipse Service GmbH“, deren Aufgabe die Be-ratung und Unterstützung von Unternehmen der Wasserver- und Abwasserentsorgung ist.

Die kommunale Wasserwirtschaft stand vor großen Herausforderungen, denn in der politisch intensiv geführten Liberalisierungsdiskussion wurde die Effizienz der Wasserver- und Abwas-serentsorgungsunternehmen immer wieder infrage gestellt. Der Ruf nach Unternehmensver-gleichen wurde immer lauter, Benchmarking und Outsourcing wurden häufiger als Synonyme für moderne und zeitgemäße Unternehmensführung gebraucht. Auch hier erkannte der Ver-band früh die Zeichen der Zeit und sah in Benchmarking Projekten einen unterstützenden Prozess, um bisher noch ungenutzte Potentiale zur Effizienz-, Leistungs- und Qualitätssteige-rung auszuschöpfen. Als erster bayerischer Verband durchleuchtete er mit zehn weiteren deutschen und ausländischen Unternehmen systematisch die Unternehmensstrukturen und lernte dabei genauso von den Anderen, wie die Anderen von ihm profitierten. Die Welle der Modernisierungsstrategie erfasste selbst die Führungskultur und das Streben nach mehr Ei-genverantwortung der Mitarbeiter. Die soziale Kompetenz wurde in bisher ungewohnten Se-minarstilen gefördert. Outdoorseminare, Rollenspiele, Mitarbeitergespräche etc. begleiteten im neuen Jahrtausend die Arbeit beim AV. Die Führungsriege verabschiedete sich gar in ein verlängertes Wochenende in die Abgeschiedenheit der Berge, um an praktischen Beispielen unter fachlicher Anleitung erfolgreiche partnerschaftliche Zusammenarbeit zu üben und zu verbessern.

Die flächendeckende Einführung eines integrierten Qualitäts- und Umweltmanagements (IMS) sowie Technisches Sicherheitsmanagement (TMS) erforderte die intensive Mitarbeit aller Kol-leginnen und Kollegen und manifestierte kostenbewusstes, umwelt- und kundenfreundliches Handeln. Unzählige Projekte realisierte man in diesem Jahrzehnt. Auf der Kläranlage wurde beispielsweise mit der Thermischen Klärschlammhydrolyse die Biogasgewinnung sowie die Klärschlammentwässerung so weit verbessert, dass der Verband für diese herausragende innovative Leistung im Jahr 2008 den bayerischen Energiepreis aus den Händen des bayeri-schen Staatssekretärs für Wirtschaft, Infrastruktur Verkehr und Technologie erhielt. Wasser-werk und Hochbehälter wurden modernisiert, die Entwässerungs- und Wassersatzungen no-velliert - um nur einige der wichtigsten, nicht alltäglichen Errungenschaften zu nennen.

Personell veränderte sich in diesem Jahrzehnt ebenfalls am meisten. Durch die Verabschie-dung vieler langjähriger Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sowie der gesamten Führungsetage in ihren wohlverdienten Ruhestand oder um neue Herausforderungen anzunehmen, ging im Verband ein Generationenwechsel vonstatten. Bei den Kommunalwahlen 2008 trat Herr Dr. Peter Braun nicht mehr als Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Germering an, sodass seine 17-jährige Ära als Verbandsvorsitzender beim AV am 30. 06. 2008 beendet war. Mit einem Satz beschrieb er sein Wirken „Der Verband war für mich immer eine Herzensangele-genheit“. Alle die mit ihm zusammenarbeiten durften, sprach er aus der Seele. So war es kei-ne Überraschung, dass es die erste Amtshandlung seines Nachfolgers, Frederik Röder, 1. Bürgermeister der Gemeinde Alling, war, Herrn Dr. Peter Braun den Titel des Ehrenvorsitzen-den zu verleihen.

So geht der AV heute ungebremst in ein neues Jahrzehnt. Neue innovative Ideen stehen auf dem Papier und die bevorstehenden Herausforderungen gilt es in bewährter Form anzunehmen und zum Wohle aller zu bewältigen.